Peak Finder

Peak Finder 

  Zeichnung auf Steinfunier und Glas /  drawing on stone and glass, 2019-22

 

Die Arbeit Peak Finder thematisiert ganz augenscheinlich das Motiv des Berges oder des Bergmassivs. Sicherlich handelt es sich hierbei um ein in der Kunstgeschichte häufig auftretendes Bildsujet. Werke aus Barock, Romantik und Impressionismus liefern selbstredende Beispiele, die belegen, dass dies seit jeher ein beliebtes und dankbares Thema war, und auch heute in der zeitgenössischen Kunst nach wie vor seine Stellung einnimmt. 

Marianne Lang bringt allerdings einen neuen Aspekt der Betrachtung ins Spiel. Der Künstlerin geht es weniger um den Berg und dessen Erfassung, sondern vielmehr um das gefühlte Phänomen der Distanz, die zwischen Betrachter und Berg liegt. 

Jemand der sich häufig im Gebirge aufhält oder dort (oder zumindest in unmittelbarer Nähe) lebt, kennt die atmosphärischen und klimatischen Einflussfaktoren, die ein und denselben Berg mal größer, mal kleiner, einmal plastisch und an einem anderen Tag ganz flach erscheinen lassen. Und manchmal an besonders nebeligen oder bewölkten Tagen, verschwindet er gänzlich oder lässt sich nur in diffusen Ausblicken kurz erspähen.

Der menschliche optische Wahrnehmungsapparat - also das Auge- gleicht im Funktionsprinzip dem einer camera obscura (Lochkamera). Demnach könnte man von einer verzerrten Projektion sprechen, die sich auf unserer Netzhaut bildet und von vielen unterschiedlichen, ganz konkreten physikalische Faktoren beeinflusst wird, ehe sie als Reizimpulse von unserem Hirn interpretiert wird. 

Marianne Lang zeichnet mit Graphit und Kreide auf hauchdünne Granit- und Schieferplatten, und manipuliert mit milchigen Lavierungen den Durchblick durch das Glas des Bilderrahmens. Hintergrund der Gebirgsspitzen bildet die Rückwand des Ausstellungsraums selbst, da im Rahmen die Rückwand fehlt. Es ist eine Inszenierung des An-Blicks. 

Auch die Auswahl der einzelnen (real existierenden) Gipfel ist inszeniert bzw. inszeniert aneinandergereiht zu einer Gebirgskette, die es in realita als Formation so natürlich nicht zu sehen gibt, sondern die in ihrer Gesamtkomposition bewusst austauschbar und beliebig bleiben möchte. 

Der Werktitel Peakfinder bezieht sich im Übrigen weniger auf die von Berggehern so häufig verwendete Handy-Applikation, sondern vielmehr auf einen Begriff der Messtechnik: Peakfinder ist ein Algorithmus, der aus einem Signalspektrum die Extremwerte bzw. die signifikanten Spitzenwerte herausfiltert bzw. darstellt.

 

Copyright © 2017 Marianne Lang

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