plafond / drawing / paper ceiling / 2010
die rauminstallation plafond
besteht aus dünnen fichtholzlatten und mit heißkleber verbundenen
elementen aus siebdruckkarton. in leichter schräglage an schnüren
aufgehängt berührt sie keine umgebenden wände und wirkt trotz
ihrer filigranen machart und dem scheinbar schwebenden zustand über den
k öpfen der ausstellungsbesucher schwer und massiv. die künstliche
zwischendecke weist kaum mehr ähnlichkeit auf mit kassettendecken aus
holz, so wie sie noch heute in manchen landhäusern zu finden sind. die
einzelnen kassettenteile verfügen über quadratische öffnungen,
die wie kleine fenster wirken und bedingt den blick in den dahinter liegenden
bereich freigeben. die ursprüngliche raumhöhe in dem schalen zimmer
misst knappe viereinhalb meter, wird aber durch das gebilde auf cirka zweieinhalb
meter abgesenkt. durch diesen eingriff entsteht ein kleinerer raum, ein überschaubarerer
raum, möglicherweise ein heimeligerer raum als vorher. wie ein verspieltes
accessoire hängt durch die perforierte konstruktion eine schlichte glühbirne
herab und bildet eine verbindung zur realen zimmerdecke. die lampe taucht
die installation in warmes licht und füllt gleichzeitig den raum darüber
mit einem geometrischen schattenspiel verzerrt projizierter quadrate.
dennoch gibt die installation nichts vor, was sie nicht ist. ganz bestimmt
ist sie kein schickes designerobjekt, um innenarchitektur zu gestalten. der
karton wurde stellenweise ungenau verklebt, man sieht die asymmetrische aufhängung,
die die anliegenden fensterläden blockierten, und aus weiteren unsauberkeiten
wird kein hehl gemacht. vielmehr handelt es sich um ein sich manifestiert
habendes gedankenkonstrukt, eine idee maßgeschneidert für den ausstellungsraum.
wie definieren wir unseren umraum? und wie oberflächlich gehen wir bei
dieser bewertung vor? raumelemente, die einander nicht einmal berühren
bilden doch ein ganzes. welche davon sind nun als real, welche als künstlich
zu bezeichnen? wie transparent ist uns unsere wirklichkeit?
the installation consists
of thin spruce wood pieces and hot glued elements made of screenprint cardboard.
In a slightly aslope position hung on strings it does not affect the surrounding
walls. despite its delicate style and its nearly flying condition, the object
above the exhibition visitors head seems heavy and solid. the artificial ceiling
hardly has any more similarities with coffered ceilings in wood, as they still
can be found in some country houses. the individual cassettes have squared
window-like openings and provide a view onto the field behind.
the original ceiling height in this narrow chamber measures about four and
a half meter, but its lowered by the structure to approximately two
and a half. this interference results in a smaller room, a more manageable,
possibly a more comfortable space than before. like a playful accessory a
simple light bulb is hanging down through the perforation and forms a connection
to the real ceiling. the lamp covers the installation with warm light and
simultaneously casts a geometric, distorted pattern of shadow over the space
above it. however, the installation does not pretend being something else
than what it is. certainly it is not a smart designer object for decoration
purposes. here and there the cardboard is fixed inaccurately, you can see
the asymmetrical hanging, which blocks the window shutters, and there is no
secret made of other imperfections. rather, it is a manifested thought construct,
an idea specially tailored to the exhibition space. how do we define our surroundings?
and how superficial is this assessment? spatial elements that even do not
touch each other still form an entity. which of these elements are now to
be considered as real, which as artificial? how transparent is our reality
to us in fact?
zwischen dach und boden / drawings / installation / 2011
ein hoher raum, der über 3 etagen geht, dominiert die ausstellungsarchitektur. auf halber höhe blickt man von einer galerie auf eine konstruktion herab, die aus miteinander verbundenen fichtholzlatten bestehend an einen dachstuhl erinnert. in marianne langs installation zwischen dach und boden spreizen sich bauelemente in die höhe und trennen den raum in ein oben und ein unten. assoziationen an first, gaupe, schornstein kommen zustande, während gleichzeitig gezielt inszenierte schatten an den wänden ihren eigenen gesetzen folgen. ein gewirr an linearen verstrickungen, unzusammenhängende kreuzungen und abgewinkelten verzerrungen spiegeln eine sicht der realen dinge wieder, die als projektion kaum mehr nachvollziehbar sind. das wahrgenommene abbild der realität manifestiert sich in transformierter art und weise auf den massiven wänden, scheint diese zu gliedern und im selben moment grafisch aufzulösen. orthogonale und statische bezüge verlieren sich im raum, inszenieren konstruierte lichtverhältnisse und definieren den bestehenden raum neu. gleichsam entstehen in verbindung mit ihrer objekthaftigkeit auch stets neue blickweisen auf die installation, sobald man als betrachter seine position verändert. es handelt sich nicht um bloße verwirrtaktik. die installation gibt nichts vor, was sie nicht ist. ganz bestimmt ist sie kein schick designtes lichtobjekt, um innenarchitektur zu gestalten. vielmehr handelt es sich um ein gedankenkonstrukt, eine idee und eine komplexe fragestellung maßgeschneidert für den ausstellungsraum. wie definieren wir unseren umraum? und wie (buchstäblich) oberflächlich gehen wir bei dieser bewertung vor? raumelemente, die einander nicht einmal berühren bilden doch ein ganzes. welche davon sind nun als real, welche als konstruiert bzw. virtuell zu betrachten? hinter marianne langs arbeiten steckt immer ein sehr persönlicher und poetischer ansatz, der zum nachdenken, vor allem aber zum hinterfragen inspirieren möchte.




face it / drawings / 70x100cm / 2011
exhibition view: khg galerie / graz / 2011